Beitragstyp: FAQ, Beitrags-ID: 15222267, Beitragsdatum: 19.03.2008
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Was ist aufgrund der Funktion ICMP-Redirect (internet control message protocol) hinsichtlich der IP-Adresse des verwendeten Routers bei Industrial Ethernet CPs zu beachten?

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Beschreibung:
Der nachfolgende Sachverhalt gilt für alle Industrial Ethernet-CPs, welche ab Ende 2002 geliefert wurden. Ausschlaggebend neben der MLFB-Nummer ist auch die Firmwareversion mit der die Baugruppe betrieben wird. Der weiter unten beschriebene Workaround ist in folgenden Baugruppen bereits wirksam:

  • 6GK7 343-1EX11-0XE0 - V2.1.5 (CP 343-1)
  • 6GK7 343-1EX20-0XE0 - V1.0.1 (CP 343-1)
  • 6GK7 443-1EX11-0XE0 - V 2.2.17 (CP 443-1)

Soll eine Baugruppe mit der IP-Adresse 140.90.x.x (Klasse B-Netz) mit einer Kommunikationsbaugruppe in einem anderen Subnetz (z.B. 140.91.x.x) kommunizieren, ist dazu ein Ebene3-Router notwendig. Dieser ist in der Lage, Telegramme zwischen verschiedenen Subnetzen auszutauschen. Der Router muss ebenfalls eine IP-Adresse aus dem gleichen Subnetz 140.90.x.x besitzen.

Diese Routeradresse wird bei der Projektierung durch STEP 7 in den Objekteigenschaften der CPs eingestellt. Normalerweise kann diese Routeradresse auch nur mit dem Projektiertool STEP 7 geändert werden.

Hinweis:
Es existiert eine Möglichkeit wie eine Routeradresse von außen also über das LAN verändert werden kann. Dadurch übernimmt der CP eine neue Routeradresse und schickt die zu routenden Telegramme von nun an zu dieser Adresse.

Hintergrund:
Existieren in einem Netzwerk mehrere Router, können diese anhand spezieller Protokolle (z.B. Spanning Tree, RIP) Informationen über die gesamte Netzstruktur austauschen. Die Router wissen auch, welcher Weg für ein bestimmtes Paket der günstigste ist. Schickt nun der CP ein Telegramm an einen Router A, merkt dieser, dass er das Paket nicht vermitteln kann und muss dieses Paket daher ebenfalls an einen benachbarten Router weiterleiten. Dadurch wird das Telegramm auf dem LAN verdoppelt.

Zusätzlich schickt er aber auch ein ICMP-Redirect-Telegramm zur Absenderbaugruppe zurück. Dieses Telegramm enthält die günstigere Routeradresse, damit die Baugruppe die zu routenden Telegramme fortan direkt zu dem neuen Router B schickt.

Das ICMP-Redirect-Telegramm (internet control message protocol) ist laut RFC (request for comment) ein Internet-Standard und dadurch offiziell anerkannt.

Achtung:
Es gibt laut RFC keine Rückfallstrategie. Fällt der günstigere Router beispielsweise aus oder war er nur temporär am Netz, können nach dem Wegfall dieses Routers keine Telegramme mehr in andere Subnetze transportiert werden. Die Kommunikationspartner sind ab diesem Zeitpunkt nicht mehr erreichbar.

Abhilfe:
Um die alte Router-IP-Adresse wiederherzustellen gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Bei Vorgängerprodukten oder bei älteren Firmwareständen der o. g. Baugruppen muss die Baugruppe neugestartet werden, um die alte Router-IP-Adresse wiederherzustellen.
  • Die oben genannten Baugruppen besitzen ab dem aufgeführten Firmwarestand eine Rückfallstrategie. 30 Sekunden nachdem die neue Routeradresse gesetzt wurde, wird wieder auf die alte projektierte Routeradresse umgeschaltet. Dadurch ist auf jeden Fall gewährleistet, dass die projektierte Routeradresse wieder wirksam wird. Bleibt der neue Router weiterhin aktiv, wird der projektierte Router nach Ablauf der 30 Sekunden erneut ein ICMP-Redirect-Telegramm schicken. Eine Erreichbarkeit der remoten Teilnehmer ist immer möglich.

Hinweis:
Der beschriebene Workaround wird auch von einigen Microsoft Betriebssystemen verwendet. Hierbei liegt jedoch die Zeit bis zum Setzen der alten Routeradresse im Minutenbereich.

Diagnose:
In der NCM-Diagnose wurde die Darstellung der Routeradresse um ein Feld erweitert. Neben dem "Default Router (projektiert)" wird nun auch der aktuell verwendete "Default Router" angezeigt.

Sind die IP-Adressen in diesen Feldern unterschiedlich, kann man davon ausgehen, dass die Routeradresse vom LAN (local area network) her durch ein ICMP-Redirect-Telegramm verändert wurde.



Bild 1: Spezialdiagnose von NCM Industrial Ethernet auf CP443-1