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Beitragstyp: FAQ Beitrags-ID: 18630803, Beitragsdatum: 05.03.2004
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Projektierung von Rezepturen mit ProTool bei Windows-basierten Systemen

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  • Betrifft Produkt(e)

FRAGE:  
Was muss ich bei der Projektierung von Rezepturen mit ProTool bei Windows-basierten Systemen beachten?

ANTWORT:
Dieser Beitrag beinhaltet die Begriffsdefinitionen für Rezepturen und Datensätze sowie eine Beschreibung zur Projektierung von Rezepturen und Verwaltung von Datensätzen.

Begriffsdefinitionen

Rezeptur
Eine Rezeptur ist eine Datenstruktur, die aus verschiedenen Variablen (Einträgen) besteht. Die Zuordnung der Variablen zu einer Rezeptur wird in der Projektierung festgelegt und kann am Bediengerät nicht geändert werden.

Datensatz
Ein Datensatz besteht aus Werten, die am Bediengerät für die Variablen der Rezeptur eingegeben und als Datensatz gespeichert wurden. Für eine Rezeptur können mehrere Datensätze  mit unterschiedlichen Werten erzeugt werden.

Beispiel:
Die Rezeptur "Werkstück" besteht aus vier festen Variablen bzw. Einträgen (Breite, Hoehe, Tiefe und Winkel), die in der Projektierung der Rezeptur zugeordnet werden. Am Bediengerät werden Werte für die Variablen der Rezeptur eingegeben und als Datensatz abgespeichert. Ein Datensatz spezifiziert die Form des Werkstücks. Anhand unterschiedlicher Datensätze können nun mit geringem Aufwand unterschiedliche Formen des Werkstücks hergestellt werden.

Rezeptur: Werkstück

Variable Datensatz1 Datensatz2
Breite 500 500
Hoehe 1000 500
Tiefe 1000 500
Winkel 45 90

Tabelle 1: Übersicht

Projektierung einer Rezeptur

Einfügen der Variablen

  • Fügen Sie eine Rezeptur in Ihr ProTool-Projekt ein. Der Konfigurationsdialog öffnet sich.
  • Wählen Sie unterschiedliche Variablen als Bestandteil der Rezeptur aus.
  • Sie können für jede Variable einen Eintragsnamen festlegen, der beim Editieren des Datensatzes am Bediengerät angezeigt wird.
  • Anhand der Nachkommastellen kann die Genauigkeit der einzugebenden Werte festgelegt werden.

Bild 1: Einfügen von Variablen für die Rezeptur

Eigenschaften der Rezeptur

  • Öffnen Sie über die Schaltfläche "Eigenschaften" die Eigenschaften der Rezeptur.
  • Im Register "Allgemein" kann der Rezepturname z.B. "Werkstück" und die Rezepturnummer z.B. "1" festgelegt werden.

    Hinweis:
    Bei der Erstellung eines Projektes wird automatisch eine Symbolliste mit der Bezeichnung "Z_RECIPES" angelegt. Die Reihenfolge, in der die Rezepturnamen in der Symbolliste eingetragen werden, wird durch den Parameter "Rezepturnummer" festgelegt.

Bild 2: Rezepturnamen festlegen

  • Wechseln Sie in das Register "Übertragung". Sie können nun zwischen den Möglichkeiten "keine Synchronisation" und "Synchronisation mit Steuerung_1" wählen.
    • keine Synchronisation:
      Bei der asynchronen Übertragung von Datensätzen zwischen dem Bediengerät und der Steuerung wird kein gemeinsamer Kommunikationsbereich für das Bediengerät und die Steuerung benötigt. Die Datensatzübertragung zwischen dem Bediengerät und der Steuerung wird ohne Berücksichtigung von bereits aktiven Übertragungsfunktionen durchgeführt. Beachten Sie bitte, dass so ein unkontrolliertes Überschreiben von Daten zwischen Bediengerät und Steuerung nicht verhindert werden kann.
    • Synchronisation mit Steuerung_1:
      Die synchrone Übertragung von Datensätzen zwischen dem Bediengerät und der Steuerung kann mittels "Datenfach", das als Bereichszeiger in ProTool eingerichtet werden muss, kontrolliert werden. Das "Datenfach" ist ein Bereich in der Steuerung, in dem die Kommunikationspartner bei der Datensatzübertragung mit Steuerungsaufträgen oder ProTool-Funktionen Statusbits setzen. Nach jeder Datensatzübertragung zwischen Bediengerät und Steuerung muss das Statuswort zurückgesetzt werden. Somit kann ein unkontrolliertes Überschreiben von Daten verhindert werden.

      Hinweis:
      Weitere Informationen zum Datenfach und dessen Auswertung entnehmen Sie bitte dem Handbuch "SIMATIC HMI Kommunikation für Windows-basierte Systeme" - Kapitel "7.11 Rezepturen" unter Beitrags-ID: 1405528.

Bild 3: Übertragungsart einstellen

  • Im Register "Ablage" wird der Pfad für die gespeicherten Datensätze am Bediengerät angegeben.
    Es können folgende Pfadnamen verwendet werden:
    • \Storage Card\... (PC-Card)

    • \Storage Card2\... (CF-Card)

    • \Flash\... (interner Flash-Speicher)

    • Netzwerkpfad (wenn ein Netzwerk am Bediengerät eingerichtet ist)

    • bei PCs: ein beliebiges Laufwerk - mit Ausnahme des Diskettenlaufwerks

Bild 4: Ablage für Datensätze

  • Abschließend werden im Register "Optionen" die Eigenschaften der Rezepturvariablen eingestellt.
    • Variablen synchronisieren
      Bei aktivierter Option "Variablen synchronisieren" werden beim Speichern von Datensätzen am Bediengerät die Datensatzwerte auch in anderen Bildern, die diese Variablen beinhalten, angezeigt. Wenn ein Datensatz in der Rezepturanzeige angewählt wird, werden die Datensatzwerte am ganzen Bediengerät aktualisiert. Dadurch ist es möglich, die Datensätze auch außerhalb der Rezepturanzeige in einem gesonderten Bild zu bearbeiten.
      Bei deaktivierter Option "Variablen synchronisieren" können Datensätze nur in der Rezepturanzeige bearbeitet werden. Rezepturvariablen, die zusätzlich in anderen Bildern projektiert sind, werden beim Speichern des Datensatzes nicht auf die Datensatzwerte aktualisiert. Sie besitzen die in der Steuerung vorhandenen Werte.
    • Variablen Offline
      Bei aktivierter Option "Variablen Offline" legen Sie fest, dass die eingegebenen Werte in einem Datensatz gespeichert werden, jedoch nicht direkt zur Steuerung übertragen werden. Die Übertragung des Datensatzes in die Steuerung wird durch Funktionen oder Steuerungsaufträge angestoßen.
      Bei deaktivierter Option "Variablen Offline" werden die gespeicherten oder ausgelesenen Datensätze immer sofort an die Steuerung übertragen. Das Datenfach wird bei dieser automatischen Übertragung des Datensatzes an die Steuerung nicht beschrieben.

Auswirkungen der Optionen

  • "Variablen synchronisieren" aktiviert und "Variablen Offline" aktiviert
    Beim Speichern eines Datensatzes am Bediengerät werden die Variablen außerhalb der Rezepturanzeige (in anderen Bildern) auch mit den Werten des Datensatzes aktualisiert. Ein Verwalten der Datensätze ist somit auch ohne Rezepturanzeige möglich. Wenn ein Datensatz in der Rezepturanzeige angewählt wird, werden die Werte in die Variablen am Bediengerät geladen. Eine Übernahme des Datensatzes in die Steuerung erfolgt nur, wenn eine Übertragung angestoßen wird. Die Rezepturvariablen werden am Bediengerät "offline" verwaltet, d.h. in der Steuerung können andere Werte stehen als am Bediengerät angezeigt werden.

Hinweis:
Um die aktuellen Werte der Rezepturvariablen am Bediengerät beobachten zu können, gibt es die Möglichkeit so genannte "Dummy"-Variablen einzusetzen. "Dummy"-Variablen sind Kopien der Rezepturvariablen, die jedoch nicht in der Rezeptur verwendet werden. Die Kopien können Sie dann zur Visualisierung der aktuellen Werte einsetzen.

Bild 5: Variablen Synchronisieren und Offline

  • "Variablen synchronisieren" aktiviert und "Variablen Offline" deaktiviert
    Beim Speichern eines Datensatzes am Bediengerät werden die Werte direkt in die Steuerung übertragen. Wenn ein Datensatz in der Rezepturanzeige angewählt wird, erfolgt ebenfalls eine Übernahme der Werte in die Steuerung. Die Rezepturvariablen sind "online", d.h. sie entsprechen immer den Werten in der Steuerung.

Hinweis:
Bei der externen Bearbeitung von Datensätzen anhand von selbst projektierten ProTool-Funktionen bzw. Steuerungsaufträgen wird der eingegebene Wert für den Datensatz direkt nach der Eingabe in die Steuerung übertragen.

Bild 6: Variablen synchronisieren und Online

  • "Variablen synchronisieren" deaktiviert
    Datensätze können nur in der Rezepturanzeige verwaltet werden. Die Rezepturvariablen werden in der Rezepturanzeige offline verwaltet. Eine Übernahme der Werte aus dem Datensatz in die Steuerung erfolgt nach Anstoß der Übertragung. Erst dann sind auch die Variablen in den anderen Bildern mit den Werten im Datensatz aktualisiert. Die Rezepturvariablen, die in anderen Bildern verwendet werden, besitzen die Werte aus der Steuerung.

Bild 7: Variablen nicht synchronisieren

Hinweis:
Weitere Informationen zu Rezepturen erhalten Sie im Handbuch "SIMATIC HMI ProTool Windows-basierte Systeme projektieren" unter Beitrags-ID: 2044599.

Verwaltung von Datensätzen

Die Datensatzverwaltung am Bediengerät kann über eine Rezepturanzeige, die als Bildobjekt zur Verfügung steht, realisiert werden. Die Rezepturanzeige beinhaltet alle möglichen Funktionen zum Verwalten der Datensätze - wie z.B. Datensatz editieren, Datensatz speichern, Datensatz zur Steuerung übertragen, Datensatz aus der Steuerung lesen, Datensatz löschen.

Bild 8: Online-Sicht der Rezepturanzeige

In den Eigenschaften der Rezepturanzeige können Sie die Rezepturanzeige speziell für Ihre Anwendung anpassen. In die Variablen für Rezepturnummer bzw. -name und Datensatznummer bzw. -name werden während der Runtime, die in der Rezepturanzeige ausgewählten Daten geschrieben. Diese Variablen können als Parameter für Funktionen bzw. Skripte eingesetzt werden.

Achtung:
Bei Beschreiben der Variablen für Rezepturnummer bzw. -name und Datensatznummer bzw. -name per Werteingabe am Bediengerät oder über die Steuerung, findet keine Aktualisierung der Rezepturanzeige statt. Die vorher angezeigte Rezeptur und deren Datensatz bleiben in der Rezepturanzeige bestehen.

Bild 9: Eigenschaften der Rezepturanzeige

Für eine externe Bearbeitung von Datensätzen können Sie z.B. in der Rezepturanzeige die Anzeige der Variablentabelle ausblenden und dafür Eingabefelder für die Rezepturvariablen projektieren.

Bild 10: Externe Bearbeitung von Datensätzen

Ein Editieren von Datensätzen in der Rezepturanzeige kann verhindert werden, wenn Sie den Haken "Editieren erlaubt" in den Eigenschaften der Rezepturanzeige entfernen.

Hinweis:
Weitere Informationen zur Projektierung der Rezepturanzeige erhalten Sie in der ProTool Online-Hilfe!

Suchbegriffe:
TP170B, OP170, MOBILE PANEL 170, OP270, TP270, MP270, MP370, PC, ProTool/Pro Runtime, HMI, WinCE, Panels


Securityhinweise
Um technische Infrastruktur, Systeme, Maschinen und Netzwerke gegen Cyber-Bedrohungen zu sichern, ist es erforderlich, ein ganzheitliches IT Security-Konzept zu implementieren (und kontinuierlich aufrechtzuerhalten), das dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Die Produkte und Lösungen von Siemens formen nur einen Bestandteil eines solchen Konzepts. Weitergehende Informationen über Cyber Security finden Sie unter
https://www.siemens.com/cybersecurity#Ouraspiration.
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