Beitragstyp: FAQ, Beitrags-ID: 24139712, Beitragsdatum: 25.06.2009
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Wie kann der Email-Versand bei einer Meldung der HMI-Station mit einem PC simuliert bzw. realisiert werden?

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Anleitung:
Mit WinCC flexible können u. a. beim Auslösen von Bit- oder Analogmeldungen Emails an das Bedienpersonal versendet werden. Für das Versenden von Emails kann jeder SMTP-Server (Email-Ausgangsserver) verwendet werden, der keine Authentifizierung benötigt. Ab WinCC flexible 2005 werden auch SMTP-Server, die eine Authentifizierung über eine gültige Email-Adresse erfordern, unterstützt. SMTP-Server, die eine Authentifizierung mit Benutzername und Kennwort benötigen, können ab WinCC flexible 2008 SP1 verwendet werden.

Inhalt:

  1. Informationen zum SMTP-Server
  2. Vorraussetzungen
  3. Projektierung
    3.1 Projektierung des SMTP-Servers
    3.2 Projektierung von WinCC flexible
    3.3 Verifikation der Projektierung
  4. Download

1. Information zum SMTP-Server
Neben den vielen SMTP-Servern im Internet besteht auch die Möglichkeit, einen eigenen SMTP-Server im lokalem Netzwerk zu integrieren. In diesem Beispiel wird der "PostCast Server" verwendet, der unter der Internetadresse http://www.postcastserver.com/download/ als Download angeboten wird.


Bild 01

Alternativ können Sie den SMTP-Server auch auf einem separatem Computer installieren und zum Beispiel über Ethernet mit einem Multi Panel einsetzen. Die Kommunikation zwischen Panel oder einem zweiten PC zum SMTP-Server erfolgt ausschließlich über Ethernet. 


Bild 02


Hinweis:
Die Kommunikation zwischen S7-Steuerung und Panel muss nicht zwingend - wie in Bild 02 dargestellt - über Ethernet erfolgen.

Um Emails versenden zu können, muss die Verbindung zum SMTP-Server gewährleistet werden.
 
Bezeichnung Protokoll Server
SMTP Simple Mail Transfer Protocol Email-Ausgangsserver
IMAP Internet Mail Access Protocol Email-Eingangsserver
POP3 Post Office Protocol Version 3
Tabelle 01

2. Voraussetzungen

  • ab STEP 7 V5.3
  • ab WinCC flexible 2005 SP1 (Advanced Edition für PC Runtime)
  • SMTP-Server

3. Projektierung
Das Versenden von Emails über einen lokalem SMTP-Server finden Sie am Ende des Beitrags in einem STEP 7-Projekt als Download realisiert.

3.1 Projektierung des SMTP-Servers
Im Folgenden wird primär die kombinierte Variante (Bild 01) erläutert. Sie finden aber auch Hinweise über die getrennte Variante (Bild 02) zwischen SMTP-Server und der WinCC flexible Runtime über Ethernet.

Die nachstehende Tabelle zeigt die Einstellungen des SMTP-Server "PostCast Server".
 

Nr. Vorgehensweise
1

Download des SMTP-Servers
Laden Sie den SMTP-Server von der Internetadresse http://www.postcastserver.com/download/ herunter.

Hinweis:
Sie können auch jeden anderen SMTP-Server verwenden, der keine Authentifizierung benötigt. SMTP-Server mit Authentifizierung sind abhängig von der WinCC flexible Version.

2

Software entpacken und installieren

  • Entpacken Sie die herunter geladene Datei "postcastserver.zip" auf Ihrem Rechner, auf dem der SMTP-Server installiert werden soll.
  • Installieren Sie anschließend den SMTP-Server (Postcastserver), indem Sie auf "Setup.exe" doppelklicken.
3 SMTP-Server einrichten
  • Öffnen Sie die SMTP-Einstellungen, indem Sie in der Toolbar auf "Settings" klicken.
  • Geben Sie als Hostnamen die IP-Adresse 127.0.0.1 (localhost) und den Server-Port 25 (SMTP) ein.

    Hinweis:
    Bei getrennten Systemen muss der Rechnername oder die IP-Adresse des Computers angegeben werden, auf dem der SMTP-Server installiert ist.
     
  • Wenn Sie einen DNS-Server verwenden, geben Sie zusätzlich die entsprechende IP-Adresse und den Port 53 an.


Bild 03

Hinweis:
Vergewissern Sie sich, dass der Port nicht schon vergeben bzw. durch eine Firewall gesperrt ist.
Da die Port-Nummern von der IANA (Internet Assigned Numbers Authority) festgelegt werden, sollten Sie für die beiden Dienste nur die beiden Ports verwenden.
 

Port

Dienst Beschreibung
25 SMTP Email-Versand
53 DNS Auflösung von Domainnamen in IP-Adressen
Tabelle 02
4

Bedingung des Email-Versands festlegen
Unter der Einstelloption "Mail sending frequency" können Sie festlegen, wann die Emails versendet werden sollen. Mit der Einstellung "Manually" wird bzw. werden alle Emails erst beim Aktivieren der Schaltfläche "Start" verschickt. Bei der Auswahl "Immediately" werden die Emails unverzüglich mit einer variablen Pause nach jedem Prozess versendet.


Bild 04


Hinweis:
Für Simulationszwecke sollten Sie "Manually" auswählen, da der Versand nicht automatisch erfolgt und Sie auf eine Anbindung an einem Email-Eingangsserver verzichten können.
5 Verbindungen festlegen
Begrenzen Sie die Anzahl der ausgehenden Verbindung auf max. 20 Verbindungen.


Bild 05
6 Diverse Einstellungen festlegen
Die folgenden Einstellungen auf der Registerkarte "Administration" sollten schon standardmäßig eingestellt sein. Sie sollten aber trotzdem folgenden Anweisungen kontrollieren oder falls notwendig ausführen:
  • Legen Sie unter "Email message is undeliverable..." die Anzahl der Tage, Stunden oder Versuche fest, nachdem eine Email-Nachricht als unzustellbar deklariert und gelöscht wird.
  • Aktivieren Sie das Kontrollkästchen "Force message delivery...", damit die Nachrichtenzustellung zu mehreren Hosts ermöglicht wird.
  • Optional können Sie noch eine Log-Datei erstellen lassen und die maximale Größe dieser Datei festlegen, nachdem eine neue Log-Datei erstellt wird.


Bild 06
7 Erweiterte Einstellungen
Die Einstellungen in der Registerkarte "Advanced" sollten ebenfalls standardmäßig eingestellt sein. In jedem Fall sollten Sie folgende Anweisungen verifizieren bzw. ausführen:
  • Aktivieren Sie das Kontrollkästchen "Show system tray icon", um die Darstellung des Icons des Postcastserver in der Taskleiste zu zulassen.
  • Markieren Sie das Auswahlfeld "Detect changed IP addresses and configure the program", damit geänderte IP-Adressen automatisch erkannt werden und der SMTP-Server entsprechend konfiguriert wird.
  • Optional können Sie auch das Auswahlfeld für automatische Updates ("Automatically check for Updates") markieren.


Bild 07

3.2 Projektierung von WinCC flexible
In der folgenden Tabelle werden die wichtigsten Einstellungen von WinCC flexible für den Versand von Emails geschildert.

Das Versenden von Emails wird anhand des Beispiels einer Lüfteranlage verdeutlicht, die am Ende des Beitrags als Download zur Verfügung steht. Die Lüfteranlage wird durch das STEP 7-Programm simuliert und muss für die Simulation in eine S7-Steuerung oder in S7-PLCSIM übertragen werden.

Wenn Sie das Beispiel-Projekt verwenden und die Projektierung für den Versand von Emails in WinCC flexible bekannt ist, dann können Sie zur nächsten Tabelle gehen.
 

Nr. Vorgehensweise
1 WinCC flexible-Projekt erstellen
Erstellen Sie ein neues WinCC flexible-Projekt und wählen Sie die PC-Runtime.

Hinweis:
Für die getrennte Variante können Sie auch ein Bediengerät - außer Basic Panels -wählen, das über eine Ethernet-Schnittstelle verfügt.

2 Verbindung projektieren
Für das Versenden von Emails ist es vollkommen unwichtig, welche Verbindung Sie wählen. Es muss lediglich die physikalische Verbindung zwischen SMTP-Server und Bediengerät gewährleistet sein.

Anmerkung:
Bei der getrennten Variante muss nur eine physikalische Verbindung mit einem Patch-Kabel hergestellt werden - diese Verbindung muss nicht projektiert werden. Die Kommunikation zwischen Bediengerät und SMTP-Server erfolgt ausschließlich über Ethernet.


Bild 08
  • Öffnen Sie die Registerkarte "Verbindungen", indem Sie mit der linken Maustaste im Projektbaum unter "Projekt > Kommunikation" auf "Verbindungen" doppelklicken.
  • Legen Sie die Verbindung oder Verbindungen an, die Sie für die Kommunikation zur Steuerung benötigen. In diesem Beispiel wird die PROFIBUS-Verbindung verwendet.

Hinweis:
Für die Kommunikation zwischen WinCC flexible Runtime und SMTP-Server muss keine Verbindung angelegt werden.

3 SMTP-Server projektieren
Damit WinCC flexible Runtime mit einem SMTP-Server kommunizieren kann, muss der Name des SMTP-Server bekannt gegeben werden.
  • Öffnen Sie dazu die Registerkarte "Geräteeinstellungen".
  • Geben Sie bei "Namen des SMTP-Servers" die Bezeichnung "localhost" ein.

    Hinweis:

    Wenn der SMTP-Server auf einem separaten Rechner läuft, dann geben Sie den Rechnernamen oder die IP-Adresse des SMTP-Servers an. Bei Panels mit Windows CE ist nur der Rechnername bzw. FQDN (Fully Qualified Domain Name) zulässig.
     
  • Das Eingabefeld "Name des SMTP-Senders" dient als Antwort-Email-Adresse, in der z.B. die Bezeichnung des HMI-Bediengeräts bzw. Anlagenbezeichnung oder deren Lokalität angegeben werden kann.


Bild 09

Für den "PostCast Server" wird keine SMTP-Authentifizierung benötigt. Wenn Sie einen anderen SMTP-Server verwenden, der eine Authentifizierung über eine gültige Email-Adresse (ab WinCC flexible 2005) benötigt, dann müssen Sie diese in das Eingabefeld "SMTP-Authentifizierung" eintragen.

Hinweis:
Die SMTP-Authentifizierung mit Benutzernamen und Kennwort wird erst ab WinCC flexible 2008 SP1 unterstützt.

4 Analog- und Bitmeldungen anlegen
Um Emails beim Auslösen einer Meldung zu versenden, müssen Analog- und/oder Bitmeldungen angelegt sein.
  • Öffnen Sie die Registerkarte "Analogmeldung" im Projektbaum unter "Meldungen" durch Doppelklick mit der linken Maustaste.
  • Fügen Sie z.B. die Analogmeldung "Drehzahl hoch" und "Maximale Drehzahl von <tag User.S_RPM_0> erreicht" ein.
  • Wählen Sie als Meldeklasse "Warnung", als überwachende Variable "User.S_RPM_0" und als Triggermodus "Bei steigende Flanke" aus.
  • Definieren Sie als Grenzwert für die Analogmeldung "Drehzahl hoch" z.B. den Wert "1199" und bei der zweiten Analogmeldung die Grenze "1349".


Bild 10

Optional können Sie auch noch Bitmeldungen anlegen. Dazu führen Sie folgende Punkte aus:

  • Öffnen Sie Registerkarte "Bitmeldungen".
  • Zu Demonstrationszwecken können Sie die Bitmeldung "Drehzahlbegrenzung auf <tag User.M_RPM>" anlegen.
  • Wählen Sie als Meldeklasse ebenfalls "Warnung". Im Beispielprojekt wird die Triggervariable "SOLL_IST" mit der Bitnummer "10" verwendet.


Bild 11
5 Email-Adresse in der Meldeklasse angeben
Öffnen Sie die Registerkarte "Meldeklassen" und fügen Sie die entsprechende Email-Adresse ein. In diesem Beispiel wird die fiktive Email-Adresse "admin@firma.de" verwendet.


Bild 12

Hinweis:
Mit dieser Projektierung wird für jede eintreffende Meldung der Meldeklasse eine Email verschickt. Wenn nur bei bestimmten Meldungen eine Email versendet werden soll, dann gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Anlegen einer neuen Meldeklasse und Zuweisen der entsprechenden Meldungen zu dieser Meldeklasse (siehe 0 bis 12).
  • Hinzufügen der Systemfunktion "SendeEMail" im Eigenschaftsdialog unter dem Ereignis "Kommen" der jeweiligen Meldung.

Anmerkung:
Als Empfänger-Email-Adresse (siehe Bild 12) können Sie jede gültige Email-Adresse angeben - diese muss nicht zwangsläufig eine Email-Adresse vom gleichen Provider sein wie der SMTP-Server.

3.3  Verifikation der Projektierung
Mit Hilfe des S7-Programms, das eine Simulation eines Lüfters für WinCC flexible enthält, wird der Versand von Emails zum SMTP-Server verdeutlicht.
 

Nr. Vorgehensweise
1 STEP 7-Projekt übertragen
  • Wenn Sie das Beispiel-Projekt verwenden, übertragen Sie die Konfiguration und das STEP 7-Projekt in die Steuerung oder in das Simulationsprogramm S7-PLCSIM.
  • Schalten Sie die S7-Steuerung in den Modus RUN.


Bild 13
2 PostCast Server starten
Damit der "PostCast Server" Emails von WinCC flexible entgegen nehmen kann, muss er zuvor gestartet sein.

Starten Sie den PostCast Server, indem Sie in Windows auf "Start > Programme > PostCast Server" auf "PostCast Server" oder auf das Desktop-Icon klicken.


Bild 14
3 WinCC flexible Runtime starten
  • Start Sie über den Menüeintrag "Projekt > Generator > Runtime starten" die WinCC flexible Runtime.

    Hinweis:
    Bei der Verwendung der zweiten Variante übertragen Sie Ihre Projektierung auf das entsprechende Bediengerät. Beim ersten Transfer sollten Sie die Kennwortlisten ebenfalls mit übertragen.
     
  • Geben Sie eine Solldrehzahl von mindestens 1350 U min-1 ein.
  • Als Hoch-/Rücklaufzeit geben Sie mindestens 5 Sekunden ein.
  • Betätigen Sie die Schaltfläche "Start".
  • Warten Sie bis die Solldrehzahl erreicht ist.


Bild 15
4 Emails im SMTP-Server
Nachdem der Motor gestartet und die maximale Drehzahl erreicht wurde, sind aufgrund der projektierten Meldungen Email-Nachrichten zum SMTP-Server versendet worden.


Bild 16


Wenn der SMTP-Server eine Verbindung zum Internet bzw. zu den entsprechenden Emaileingangsservern (POP3 oder IMAP) hat, können Sie über die Schaltfläche "Start" die Emails verschicken. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Sie eine reale Empfänger-Emailadresse verwendet haben.

Weitere Informationen finden Sie unter folgenden Beiträgen:
 

Thema Beitrag
Email-Versand Beitrags-ID: 18984102
Versand von Kurzmitteilungen (SMS) Beitrags-ID: 21184132

4. Download
In der Anlage 1 ist das beschriebene Beispiel-Projekt inklusive des STEP 7-Programms mit der Motorsimulation für WinCC flexible enthalten. Der SMTP-Server ist nicht enthalten und kann auch nicht über die SIEMENS AG bezogen werden.

Anlage 1: WinCC_flex_SMTP.zip ( 3548 KB )

Ablauffähigkeit und Testumgebung:
In der folgenden Tabelle sind die Komponenten aufgeführt, mit denen dieser Beitrag erstellt und die beschriebenen Funktionsweise verifiziert wurden.
 

Komponenten Produkt- und Versionsbezeichnung
PC-Betriebssystem Microsoft Windows XP SP2
Standard-Tools PostCast Server V2.6.0
Engineering Tool STEP 7 V5.3 SP3
HMI Software WinCC flexible 2005 SP1
Bedien- & Beobachtungssystem MP370

Suchbegriffe:
SendEmail, SendeEmail, Fehlermeldung, E-Mail, Emailversand

Fehlerdetails
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